Webergasse

Die Altstadt Coburg ist wirklich sehenswert in Bayern – und dabei noch ein Geheimtipp! Nur wenige wissen von der Pracht der historischen Herzogstadt mit Schloss, Veste und rund 1000 denkmalgeschützten Häusern. Ich war hier und habe Barbara Weiß kennengelernt. Sie hat zwei Häuser am Rand der Altstadt in der besten Wohngegend Coburgs renoviert und vermietet sie als Ferienwohnungen mit E-Auto Ladestation, kompletter Küche und allem, was du dir vorstellen kannst.

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Webergasse Coburg – auf den Spuren der Weber durch die Altstadt

Die Webergasse in Coburg gehört zu den eher unscheinbaren Straßen der historischen Altstadt Coburg. Wenn du vom Marktplatz aus durch die Judengasse unterwegs ist, kannst du leicht an ihr vorbeilaufen. Dabei steckt gerade in dieser kurzen Verbindung zwischen Judengasse und Mohrenstraße ein interessantes Stück Coburger Stadtgeschichte.

Der Name ist Programm: Die Webergasse war über Jahrhunderte eines der wichtigsten Zentren des Weberhandwerks in Coburg. Hier lebten und arbeiteten zahlreiche Webermeister und Gesellen. Die Herstellung von Tuchen und anderen Geweben war kein kleines Nebengewerbe, sondern ein bedeutender Wirtschaftszweig der Stadt.

Heute ist von diesem historischen Weberviertel allerdings nur noch wenig zu sehen. Ein großer Teil der alten Bebauung ist verschwunden. Besonders die Altstadtsanierung der 1970er-Jahre und der Bau des Parkhauses Mauer haben die historische Struktur der Webergasse stark verändert. Gerade deshalb lohnt es sich, bei einem Spaziergang nicht nur auf das zu schauen, was heute noch steht, sondern sich bewusst vorzustellen, wie dicht bebaut und handwerklich geprägt dieser Bereich der Coburger Altstadt früher gewesen sein muss.

Persönlicher Tipp des Autors:

Wo liegt die Webergasse in Coburg?

Die Webergasse beginnt heute an der Judengasse und führt bis zur Mohrenstraße. Damit liegt sie mitten im historischen Stadtgebiet und verbindet zwei wichtige Bereiche der Coburger Altstadt. Für mich ist die Lage interessant, weil die Webergasse weniger wie eine klassische Sehenswürdigkeit wirkt. Sie ist eher eine Verbindungsgasse, die man auf dem Weg durch die Altstadt mitnimmt. Genau solche Straßen erzählen aber häufig besonders viel über die frühere Stadt. Die Webergasse entstand im Zusammenhang mit der westlichen Erweiterung der mittelalterlichen Stadt. Bereits 1399 wird die Straße erstmals erwähnt. Schon damals hatten sich hier Weber angesiedelt.

Warum siedelten die Weber in der Webergasse?

Weber benötigten für ihre Arbeit nicht nur einen Webstuhl und einen geeigneten Arbeitsplatz. Für die Herstellung und Bearbeitung von Textilien waren verschiedene Einrichtungen notwendig, die einzelne Handwerker nicht ohne Weiteres alleine betreiben konnten. Dazu gehörten beispielsweise Spannrahmen und Walkmühlen. Solche Einrichtungen konnten von mehreren Handwerkern gemeinsam genutzt und unterhalten werden. Deshalb war es sinnvoll, dass sich Angehörige desselben Handwerks räumlich konzentrierten.

In Coburg siedelten die Weber deshalb vor allem im Westen der Stadt. Die Webergasse entwickelte sich zu einem Schwerpunkt des Weberhandwerks. Wenn man heute durch die Gasse läuft, ist davon zunächst wenig zu erkennen. Die historische Bedeutung steckt weniger in einem einzelnen erhaltenen Gebäude als vielmehr in der Geschichte des gesamten Viertels.

Die Webergasse war ein Zentrum des Coburger Weberhandwerks

Das Weberhandwerk spielte in Coburg über Jahrhunderte eine wichtige wirtschaftliche Rolle. Die Stadt war nicht nur von Hof, Verwaltung und Handwerk geprägt. Auch die Herstellung von Textilien gehörte zu den bedeutenden Erwerbszweigen. Besonders deutlich wird die Bedeutung der Weber im 19. Jahrhundert. 1827 gab es in Coburg rund 150 Webermeister und etwa 200 Gesellen. Für eine Stadt dieser Größe war das eine beträchtliche Zahl. Hinter diesen Zahlen standen zahlreiche Familien, Werkstätten und Arbeitsplätze. Ein großer Teil der Erzeugnisse wurde außerhalb Coburgs verkauft. Die Waren gingen unter anderem nach Franken, Thüringen und Sachsen.

Vom Handwebstuhl zur Industrialisierung

Die Blütezeit des traditionellen Weberhandwerks endete mit der Industrialisierung. Während die Produktion zuvor vielfach mit dem Handwebstuhl in kleinen Werkstätten erfolgt war, veränderten mechanische Webstühle und industrielle Produktionsmethoden das Handwerk . Was über Generationen als klassisches Handwerk funktioniert hatte, konnte mit der industriellen Fertigung zunehmend nicht mehr konkurrieren. Um die Jahrhundertwende verschwand deshalb auch in Coburg das Weben mit dem Handwebstuhl weitgehend. Damit verlor die Webergasse ihre ursprüngliche Funktion. Der letzte Coburger Webermeister starb 1936. Damit endete endgültig eine jahrhundertealte Handwerkstradition.

Nur wenige historische Häuser sind erhalten

Wenn du heute durch die Webergasse gehst, darfst du nicht erwarten, hier eine nahezu vollständig erhaltene mittelalterliche oder frühneuzeitliche Häuserzeile vorzufinden. Das Gegenteil ist der Fall. Nur noch ein Bruchteil der historischen Häuser ist heute erhalten. Die Altstadtsanierung der 1970er-Jahre hat in diesem Bereich deutliche Spuren hinterlassen. Besonders einschneidend war der Bau des Parkhauses Mauer, durch den eine gewaltige Schneise in die historische Stadtstruktur geschlagen wurde.

Damit ging nicht nur einzelne historische Bausubstanz verloren. Auch der ursprüngliche Zusammenhang der Bebauung wurde teilweise zerstört. Die Webergasse ist deshalb auch ein gutes Beispiel dafür, dass eine Altstadt nicht automatisch überall unverändert historisch aussieht. Selbst in einer Stadt wie Coburg, die über einen außergewöhnlich reichen Bestand an denkmalgeschützten Gebäuden verfügt, wurden im 20. Jahrhundert historische Strukturen verändert oder beseitigt.

Ein Blick auf die erhaltenen Häuser

Ganz verschwunden ist die historische Bebauung allerdings nicht. Zu den interessanteren erhaltenen Gebäuden gehört beispielsweise Webergasse 21. Das palaisartige Wohnhaus entstand vor 1823 für die Geheimrätin Gruner. Später lebte hier Christian Friedrich Freiherr von Stockmar, eine wichtige Persönlichkeit im Umfeld des Coburger Hofes.

Damit zeigt dieses Gebäude auch, dass die Webergasse nicht ausschließlich vom einfachen Handwerk geprägt war. Im Laufe ihrer Geschichte veränderte sich die soziale Struktur der Straße. Weitere historische Häuser stammen aus dem 19. Jahrhundert . Besonders auffällig sind Gebäude mit Neurenaissance-Elementen, darunter Webergasse 32 und Webergasse 35. Webergasse 35 besitzt beispielsweise einen markanten zweigeschossigen Eckerker. Solche Details machen die Straße interessant, wenn man nicht nur nach spektakulären Einzeldenkmälern sucht, sondern sich die Fassaden genauer anschaut.

Von der Judengasse zur Mohrenstraße

Für einen Altstadtspaziergang lässt sich die Webergasse sehr gut mit anderen historischen Straßen verbinden. Ich würde die Gasse beispielsweise von der Judengasse aus betreten. Von dort geht es durch die vergleichsweise kurze Verbindung in Richtung Mohrenstraße. Die Judengasse erzählt eine ganz andere Geschichte. Sie erinnert an die mittelalterliche jüdische Gemeinde Coburgs und an die wechselvolle Geschichte jüdischen Lebens in der Stadt. So bekommt der Spaziergang durch die Altstadt schnell eine ganz andere Qualität. Statt einfach nur von einer Sehenswürdigkeit zur nächsten zu laufen, erkennt man, dass die Straßennamen und Gassen früher bestimmte Funktionen hatten.

Was vom Weberviertel geblieben ist

Das eigentlich Spannende an der Webergasse ist für mich heute weniger die Frage, welches einzelne Gebäude hier besonders sehenswert ist. Viel interessanter ist die Geschichte, die sich hinter dem Straßennamen verbirgt. Wenn du dir vorstellst, dass hier im 19. Jahrhundert rund 150 Webermeister und 200 Gesellen tätig waren, verändert das den Blick auf die heutige Straße. Die heutige Webergasse wirkt vergleichsweise ruhig und unspektakulär. Früher war sie dagegen ein wichtiger Arbeits- und Lebensraum.

Man kann sich die Werkstätten vorstellen, die Webstühle, die vorbereiteten Stoffe und die zahlreichen Arbeitsschritte, die notwendig waren, bevor ein fertiges Tuch verkauft werden konnte. Von dieser Welt ist heute kaum noch etwas unmittelbar sichtbar. Gerade deshalb würde ich die Webergasse nicht als klassische „Sehenswürdigkeit“ besuchen. Sie ist vielmehr ein Stück Coburger Stadtgeschichte, das sich beim bewussten Spaziergang erschließt.

Mein Tipp für deinen Altstadtspaziergang

Ich würde die Webergasse nicht als einzelnes Ziel ansteuern, sondern in einen Rundgang durch die Coburger Altstadt einbauen. Starte beispielsweise am Marktplatz und gehe durch die Judengasse. Von dort kannst du die Webergasse in Richtung Mohrenstraße nehmen. Anschließend lässt sich der Spaziergang über weitere historische Gassen fortsetzen. Wenn du dabei Zeit hast, schau nicht nur auf die großen Sehenswürdigkeiten. Gerade bei den kleineren Gassen lohnt es sich, auf Hausformen, Fassadendetails und unterschiedliche Bauzeiten zu achten.

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